Projekt int.unity gestartet

Gewerkschaften treffen sich im Netz

Nicht nur die Unternehmen rücken durch das Internet näher zusammen, auch die Gewerkschaften. ver.di, die CWU und UNI Europa haben ein gemeinsames Projekt begonnen, bei dem sie nationale Grenzen und Sprachbarrieren überschreiten und neue Wege der Zusammenarbeit testen und verbessern wollen. Das Projekt heißt int.unity.

Der ver.di-Bereich Innovations- und Technologiepolitik macht Forschungs- und Entwicklungspolitik mit eigenen Projekten. int.unity ist so ein Projekt. Das Kunstwort setzt sich zusammen aus einzelnen Buchstaben der englischen Aufgabenbeschreibung von int.unity: building up an international trade union community in the net. Dabei geht es um den Aufbau einer Internetplattform, auf der die beteiligten Gewerkschaften ver.di, die CWU (Communication Workers Union aus Großbritannien) und UNI Europa (Union Network International Europa) in einem "virtuellen Arbeitsraum" zusammenkommen und mit Hilfe einer automatischen Sprachübersetzung (Deutsch und Englisch) kommunizieren und kooperieren.

Drei Jahre hat es gedauert, rund 150 Arbeitstage waren notwendig, bis das Projekt die Finanzierungszusage der Europäischen Kommission erhielt. "Wir gehören zu den wenigen Glücklichen", sagte ver.di-Projektleiter Claus Zanker beim ersten Projekttreffen am 23. Januar 2002 in Frankfurt/Main. Nur 35 von 148 Anträgen fanden den Zuspruch der EU-Experten, davon sind nur drei unter deutscher Federführung. int.unity gehört dazu.

Die beteiligten Gewerkschaftsorganisationen haben sich auf drei Themen geeinigt, über die sie sich im Netz austauschen wollen. ver.di übernimmt die Moderation des Themas Gewerkschaften und neue Wirtschaft, die CWU das Thema Gewerkschaften und Internet und Uni Europa das Thema Gewerkschaften und europäische Betriebsräte. Zu jedem Thema werden in den nächsten Wochen internationale Projektteams gebildet, die fachlich miteinander diskutieren. Dabei sollen nicht nur übereinstimmende Positionen der Gewerkschaften ausgetauscht werden, sondern bewusst auch Meinungsverschiedenheiten. Weitere Experten können an den Diskussionen auf Einladung teilnehmen, um das Spezialwissen zu erweitern und neue Aspekte anzustoßen. Am Ende sollen gemeinsame Analysen und Handlungsempfehlungen stehen.

Neben dem inhaltlichen Austausch zu den genannten Themen hat sich das Projekt vorgenommen, die Netz-Plattform zu verbessern und vor allem die Sprachtechnologie an die besonderen Bedürfnisse von Gewerkschaften anzupassen. Die beteiligten Organisationen kommunizieren und arbeiten in ihrer jeweiligen Muttersprache. Die Mitteilungen und Dokumente sollen maschinell möglichst fehlerfrei und verständlich in die jeweils andere Sprache übersetzt werden. Aus technischen Gründen startet int.unity mit den Sprachen Deutsch und Englisch. Ist die Technologie erfolgreich erprobt und verbessert, dann lässt sich diese langfristig auch auf andere Sprachenpaare übertragen.

Die Ergebnisse der fachlichen Diskussionen fassen Moderatoren der drei Gewerkschaftsorganisationen ver.di, CWU und UNI Europa zusammen und veröffentlichen sie, um die diskutierten Inhalte und Ergebnisse allen Gewerkschaftsmitgliedern zugänglich zu machen.

Als gleichberechtigter Projektpartner entwickelt und betreut die OrbiTeam Software GmbH (http://www.OrbiTeam.de) die BSCW-Plattform. Das Institut für angewandte Informationsforschung IAI an der Universität des Saarlandes (http://www.iai.uni-sb.de) ist als Projektpartner für die Sprachtechnologie zuständig.