Im "int.unity"-Projekt wird das von GMD und OrbiTeam Software GmbH entwickelte BSCW-Shared Workspace System als Kommunikations- und Kooperationsplattform eingesetzt. BSCW (Basic Support for Cooperative Work) basiert auf dem Konzept eines "shared workspace", eines gemeinsam genutzten Arbeitsbereiches, der unterschiedliche Objekte enthalten kann wie z.B. Dokumente, Tabellen, Grafiken, Spreadsheets oder Links zu anderen Webseiten. Ein BSCW-Arbeitsbereich kann eingerichtet, Objekte abgespeichert, verwaltet, bearbeitet oder mit einem Web-Browser heruntergeladen werden, d.h. die Systembenutzer müssen keine zusätzliche Software lokal installieren. Dies ist eine der Eigenschaften, mit denen sich das BSCW-System besonders für die "int.unity"-Benutzergruppe empfiehlt, deren Mitglieder normalerweise keine Computer-Profis sind, weil damit die Verteilung und Pflege von Anwender-Software überflüssig wird. Gleichzeitig ist es plattformunabhängig, da es Web-Browser für alle allgemein verwandten
Plattformen wie Windows, MacIntosh OS oder Unix gibt.

Außerdem sind folgende Eigenschaften des BSCW-Systems besonders wichtig für das "int.unity"-Projekt:

Zugangsberechtigung, d.h. nur Personen, die namentlich und durch Passwort zugangsberechtigt sind, können auf die BSCW-Arbeitsbereiche zugreifen;

Versionsverwaltung von Objekten innerhalb eines Arbeitsbereiches; dies ist für eine gemeinsame Dokumentenerstellung erforderlich;

Diskussionsforen, d.h. Benutzer können eine Diskussion zu einem beliebigen Thema aufnehmen und das System gibt dann den Diskussionsverlauf (threads) benutzerfreundlich aus;

unterschiedliche Zugangsrechte, d.h. einige Benutzer haben umfassende Kontrolle über ein Objekt in einem Arbeitsbereich, während andere nur Lesezugang oder gar keinen Zugang haben;

Suchfunktionen, um ein Objekt innerhalb der BSCW-Arbeitsbereiche (oder im Internet) zu finden, und zwar nach Inhalt oder Eigenschaften wie Autor oder Änderungsdatum;

Umfassende Benachrichtigungsdienste, die die Benutzer über Ereignisse in ihren Arbeitsbereichen informieren, sodass sie über die Aktivitäten anderer Mitglieder ihrer Arbeitsgruppe auf dem Laufenden gehalten werden;

Mehrsprachige Unterstützung: die Benutzeroberfläche des BSCW-Systems steht in Deutsch und Englisch zur Verfügung, aber auch in anderen europäischen Sprachen wie Französisch, Italienisch oder Spanisch; dies erlaubt einen europaweiten Einsatz des "int.unity"-Projektes (die mehrsprachige Unterstützung bezieht sich z.Z. nur auf die Oberfläche des BSCW-Systems, nicht auf den Inhalt, der im System gespeichert wird!).

Technisch gesehen handelt es sich bei dem BSCW-System um die Erweiterung eines Web-Servers durch ein Common Gateway Interface (CGI). Das System arbeitet mit den gebräuchlicheren Web-Servern wie Apache sowie den Web-Servern von Microsoft oder Netscape und kann auf Windows NT, Windows 2000 und vielen Unix-Versionen, u.a. Linux, installiert werden. Zwar erfüllt das BSCW-System schon die meisten der Anforderungen für die angestrebte Kooperation, aber eine Erweiterung und Modifizierung ist trotzdem notwendig. Vor allem muss die Systemoberfläche den besonderen Bedürfnissen der Zielgruppe europäischer Gewerkschaften und Betriebsräte angepasst sowie um Übersetzungsfunktionen ergänzt werden.

Obwohl das BSCW schon bewiesen hat, dass es sich für die Kooperation zwischen räumlich getrennten Gruppen eignet, ist es im gewerkschaftlichen Raum noch nicht getestet worden. Diese Erprobung wird zum ersten Mal im Rahmen des "int.unity"-Projektes stattfinden; der wichtigste Teil des Tests bezieht sich darauf, ob die Systemfunktionen und -benutzerfreundlichkeit den Anforderungen gewerkschaftlicher Akteure gerecht werden können und wo noch Spielraum für eine weitere Optimierung besteht. Gleichzeitig - und dies ist das Neue an "int.unity" - soll das Projekt dazu beitragen, einen Engpass zu überwinden, der die Anwendbarkeit nicht nur der BSCW-Plattform, sondern aller bekannten Groupware-Lösungen für mehrsprachige Kommunikation und Kooperation bisher erheblich eingeschränkt hat: keine dieser Anwendungen sah bisher Module für die integrierte Sprachtechnologie vor, sodass das Problem des Verstehens in virtuellen Arbeitskontexten über Sprachgrenzen hinweg nicht gelöst war. Dieses Problem wird jetzt im Rahmen des "int.unity"-Projektes durch die Implementierung, Erprobung und Optimierung bestehender Sprachtechnologie innerhalb der Kommunikations- und Kooperationsplattform aufgegriffen.